Fenster zum See
Hoher Freizeitwert und Erholung pur, so könnte man die Angebote und Möglichkeiten rund um den bayerischen Chiemsee beschreiben. Um sich hier mit etwas Neuem von der Vielzahl an Attraktionen abzusetzen, muss man schon etwas ganz Besonderes bieten. Das ist der Gemeinde Gstadt a. Chiemsee mit dem Neubau eines Restaurants und einer Parkanlage auf einem prädestinierten Grundstück direkt am See ohne Zweifel gelungen.
Augenschmaus und Gaumenfreuden
Von den Traunsteiner Architekten Stefula + Strasser geplant, ist das Restaurant “Hofanger“ Teil der Parkanlage und fügt sich als Rundbau gleichermaßen behutsam und markant in die sensible Lage zwischen Kirche und Fraueninsel ein. Mit der gleichnamigen Parkanlage wurde von dem Traunsteiner Landschaftsarchitekturbüro Schuardt ein Kultur- und Naturpark der besonderen Art gestaltet. Hier bieten das Restaurant, ein Strandbad mit Beach-Volleyball, der Rosen- und Kräutergarten und der Obstanger, sowie die vielfältigen Spielmöglichkeiten allen Besuchern ein besonderes Erlebnis und eine Anregung der Sinne und der Phantasie.
In den Hang eingebunden
Der Baukörper selbst ist nahezu vollständig in den Hang hineingebaut. Er öffnet sich dank Glasfassade im Halbrund zum See. Außergewöhnlich auch die Erschließung von der höher gelegenen Straße: Ein Treppenpavillon in
Glas-Stahl-Konstruktion ragt über die im Halbkreis angeordneten „sichtbaren“ Dachflächen und ermöglicht den direkten Zugang von „oben“. Dank der großzügigen Fensterfronten genießen die Gäste von nahezu allen 65 Sitzplätzen im Innenbereich einen ebenso intensiven Rund-Blick wie die 75 Gäste auf der Restaurant-Terrasse. Auch trotz des durchgestalteten modernen Ambientes bleibt der größte optische Reiz ohne Zweifel der traumhafte Panoramablick auf den Chiemsee zur Fraueninsel.
Panoramageometrie
Auch der Baukörper selbst öffnet sich in seiner Geometrie zum See. Wie das Objektiv einer Panoramakamera bildet der Restaurant- und Kioskkomplex einen sich zum See ausgerichteten Halbkreis. Weiter zurückgesetzt die Funktionsgebäude, die in den Hang integriert, sich dem Hauptbau unterordnen. Dank des abgesetzten, auskragenden Dachüberstandes übernimmt der Baukörper den Pavilloncharakter des mittigen Treppenhauses. Mit dessen Zeltdach wiederholt sich zugleich die Rundung der Grundgestaltung. Während das Gebäude vom Ufer und See aus vor allem Glasfassade ist, zeigt sich von der höher gelegenen Straße ein völlig neues Bild. Hang und Gebäude verschmelzen ineinander dank begehbarer Dachflächen. Der mittigen Erschließung über das Treppenhaus ist eine begrünte Zone nachgelagert, die das Dach des Neubaus optisch in die Landschaft einbindet.
Besondere Dachnutzung
Zur bautechnischen Umsetzung des teilbegrünten und teilbegehbaren Daches musste eine abdichtungstechnische Lösung gefunden werden, die der Nutzung Rechnung trägt. Zum Einsatz kam die PIB-basierte Gründachbahn Rhepanol® hg der Mannheimer FDT FlachdachTechnologie GmbH & Co. KG. Sie verbindet die bewährten Eigenschaften der Rhepanol® Kunststoff-Dachbahn mit der Fügetechnik im Heißluft-Verfahren. Auch dadurch ist die hochwertige Abdichtungsbahn wurzel- und rhizomfest, wie eine Prüfung nach FLL-Richtlinien bestätigt. Verstärkt wird die moderne Begrünungsbahn durch eine mittige Glasvlieseinlage. Damit ist Rhepanol® hg die ideale Grundlage für begrünte Dächer.
Gute Grundlage für Gründächer
Im lose verlegten Schichtenaufbau kommt die Bahn als Abdichtung unter Auflast mit Begrünung zum Einsatz. Selbstredend beeinträchtigen Lösungen aus natürlich vorkommenden Chemikalien ihre Funktionstüchtigkeit nicht. Die von Weichmachern und halogenen Brandschutzmitteln freie Rhepanol® hg ist zudem durch ein neutrales Institut nach DIN EN ISO 14040 ff im Rahmen einer Ökobilanz zertifiziert. Zugleich ist sie hochfest gegen Perforation und verfügt neben UV- und Hagelschlag-Beständigkeit (gemäß SIA 280) auch über eine Kälteflexibilität bis -60° Celsius.
Mit Begrünung ein Teil der Natur
In Gstadt bildet die lose verlegte Kunststoff-Dachbahn die Grundlage für den weiteren Dachaufbau sowohl im Bereich der begehbaren wie auch der begrünten Dachbereiche. Als Abdichtung erfüllt sie die gleiche Funktion wie eine unbegrünte Dachbahn. Zur Trennung zwischen Abdichtung und weiteren Schichten brachten die Dachhandwerker ein Vlies auf, das die Dachbahn zusätzlich schützen soll. In den begrünten Bereichen kam ein System für extensive Begrünung mit Sedum, Gräsern und Kräutern zum Einsatz, das aus Drainage- und Substratschicht besteht. Die abgesetzten Dachbereiche unmittelbar über dem Restaurant weisen eine leichte Neigung auf. Hier fassten die Dachhandwerker die Begrünungszonen mit Edelstahlleisten ein, um das Abrutschen der Dachaufbauten zu verhindern. Alle begrünten Bereiche wurden – auch aus brandschutztechnischen Gründen – zudem mit einer Kiesschicht umfasst.
Fazit: Genuss für Auge und Gaumen
Mit dem Neubau am See in Gstadt gelang der Gemeinde eine attraktive Kombination aus moderner Gastronomiearchitektur und erlebnisreicher Umfeldnutzung. Die optische Eingliederung des Baukörpers in die vorhandene Topografie verstärkt zugleich die gebündelte Funktionalität von Ruhe-, Genuss- und Aussichtspunkt. In Verbindung mit der gastronomischen Konzeption entstand ein neues lukullisches Ziel am Chiemsee, das Auge und Gaumen gleichermaßen berührt.









