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Durch das Klappen der Elemente wird eine Transportbreite von 2,5 m erreicht und somit das europäische Transportmaß ohne Sondergenehmigungen eingehalten.

Schon als kleiner Bub hat Christoph Fisslake gerne Häuser gebaut. Wie für viele seiner Generation gab es auch in seiner Kindheit selbstgebaute Buden oder Hütten im Wald. Heute schier undenkbar, weil viel zu gefährlich. Am Ende aber ist Christoph Fisslake Möbelschreiner geworden, kein Maurer oder Zimmermann. Das Häuserbauen hat ihn aber weiter fasziniert. Bis heute, wo er die Idee eines mobilen Holzhauses nicht nur erdacht, sondern auch umgesetzt hat. Stück für Stück hat er die Einfälle gesammelt und zusammengesetzt. Manche kamen beim Autofahren, andere beim vor sich hin grübeln. Und eines Tages kam seine Nachbarin, Frau Barbara Mahler zu ihm.

Vor kurzem erst hatte sie ihr Haus veräußert. Und war nun auf der Suche nach einem flexiblen Zuhause, keine Wohnung, aber eben auch kein klassisches, unbewegbares Haus. Denn Barbara Mahler hat noch einiges vor. Und da ist es nicht ausgeschlossen, dass sie eines Tages mal irgendwo am Meer lebt. Natürlich am liebsten in ihren eigenen vier Wänden. So kam es, das sich zwei Gedanken trafen, die wie füreinander gemacht schienen: Frau Mahler und das mobile Haus.

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Mit Haus mobil bleiben

Heute sitzt Barbara Mahle auf ihrer Terrasse an einem Holztisch und arbeitet. Ein paar Treppenstufen hinter ihr das neue Haus von Christoph Fisslake erdacht, erbaut und an Ort und Stelle aufgebaut. Gut 70 m2 Wohnfläche inklusive Gästezimmer in knapp drei Stunden fertigmontiert. Wenn es Barbara Mahler irgendwann irgendwo anders hinzieht, dann kündigt sie einfach den Pachtvertrag für das Grundstück, ruft Christoph Fisslake an und lässt das Haus wieder transportfähig machen. 

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Das Reflexionssystem ist speziell auf die elektrische Infrarotheizung hier als Deckenelement im Atelier abgestimmt.

Vielleicht ist es für die Idee des mobilen Holzhauses ja auch ganz gut, dass Christoph Fisslake kein Zimmermann geworden ist. „Ich habe das Haus wie ein Möbelstück gedacht und gebaut. Bei Möbeln kommt es nicht nur auf Zentimeter, sondern auf Millimeter an“, erklärt Christoph Fisslake mit einem leichten Schmunzeln. In der Tat erinnert die gesamte Grundidee eher an einen Schrank oder eine Vitrine als an die üblichen Holzrahmen- oder Holzständerbauweisen.

Keine Einbußen beim Komfort

Auch wenn das Haus von Barbara Mahler das erste seiner Art ist, bietet es schon all die Vorteile und Eigenschaften, die von Christoph Fisslake erdacht und gewünscht waren. Zunächst einmal ist es transportabel, da es mit seinen 11 m Länge und 7 m Breite sowie einer Raumhöhe von 2,46 m auf zwei Sattelaufliegern Platz findet. Hierzu wird jeweils eine der Längsseiten nach oben bzw. nach unten geklappt. Damit entstehen zwei quaderförmige Kästen, die anschließend per LKW an den gewünschten Zielort verbracht werden können. Durch das Klappen der Elemente wird eine Transportbreite von 2,5 m erreicht und somit das europäische Transportmaß ohne Sondergenehmigungen eingehalten. „Je nach Kundenwunsch“, so Christoph Fisslake, „sind bei diesen Haustyp Längen bis 15 m möglich. In der Breite geht es bis 8 m. Die Transportbreite beträgt dann 3 m. für die fast alle Spediteure eine Dauertransportgenehmigung haben. Das ergäbe eine Wohnfläche von rund 110 m2.“ Für den Auf- bzw. den Abbau ist zudem ein Autokran notwendig.

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Mit seinen 11 m Länge und 7 m Breite sowie einer Raumhöhe von 2,46 m findet das mobile Haus auf zwei Sattelaufliegern Platz.

Innere Werte

Konstruktiv besteht das Haus aus vier großformatigen OSB-Platten, die zu einer Einheit verleimt wurden. Nach den Wünschen und Plänen des Bauherrn werden während der Verleimung Kabelkanäle und Öffnungen für Leerdosen in die 10 cm dicken Wandelemente gefräst. Damit ist die elektrische Verkabelung des Hauses weitgehend unsichtbar in der Konstruktion verborgen. Neben dem nahezu frei gestaltbaren Grundriss können auch die Innenwände ganz nach Kundenwunsch ausgeführt werden. Ob gebeizt, lasiert, lackiert, gefliest, tapeziert, verputzt oder gestrichen – hier sind dem Gestaltungsspielraum kaum Grenzen gesetzt. Gleiches gilt für Boden und Decke des Holzhauses. Die komplette Gebäudehülle ist – auch um die energetischen Anforderungen zu erfüllen – wärmeisoliert. Hier kommt ein Reflexionssystem zum Einsatz, das speziell auf die elektrische Infrarotheizung des Gebäudes abgestimmt ist. Bis zu 96 Prozent der Infrarotwärme werden damit in die Räumlichkeiten reflektiert. Umgekehrt wird auch die sommerliche Hitze, die von außen auf die Hülle fällt reflektiert und es entsteht ein angenehmes Wohnklima.

Hoher Standard 

Im Holzhaus von Barbara Mahler kamen an den Außenwänden auf die OSB-Elemente zunächst eine 24er Lattung, gefolgt von einer ersten Reflexionsfolie. Hierauf folgt eine zweite Lattung, ebenfalls in 24 mm Dicke, auf die anschließend eine weitere Reflexionsfolie verlegt wurde. Die Fassadenbekleidung aus Trespa-Platten und Boden-Deckel-Schalung aus unbehandelter Lärche fixierten die Handwerker abschließend auf einer weiteren Lattung in 24 mm Dicke. Auch an den Boden- und Deckenelementen des Hauses wurde das Reflexionssystem zweilagig verlegt. Als abschließende „Verkleidung“ kam hier jedoch eine OSB-Platte zum Einsatz. „Je nach dem wie groß die Jalousien sind, erreichen mit diesem Haus sogar KFW-55-Standard“, führt Christoph Fisslake aus.

Bewährte Kunststoffdachbahn

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Zur dauerhaft funktionssicheren Abdichtung des als Flachdach mit leichtem Gefälle ausgebildeten Holzhausdaches verwendete Christoph Fisslake die Premiumdachbahn Rhepanol® fk von FDT.

Zur dauerhaft funktionssicheren Abdichtung des als Flachdach mit leichtem Gefälle ausgebildeten Holzhausdaches verwendete Christoph Fisslake die Premiumdachbahn Rhepanol® fk von FDT FlachdachTechnologie GmbH & Co. KG aus Mannheim. Gleich mehrere Gründe waren für den erfindungsreichen Möbelschreiner ausschlaggebend: „Die Bahnen lassen sich dank des Klettsystems einfach und unkompliziert auf dem Dach befestigen. Zudem wird für die Nahtfügung weder ein Heißluftföhn oder gar eine offene Flamme benötigt.“

Ideales Zubehör

Zusätzlich überzeugten Fisslake die zum umfangreichen Zubehör gehörenden Verbundbleche. Mit denen konnte er den Dachrand des Hauses ausbilden. Die Anschlussbleche mit aufkaschiertem Rhepanol® lassen sich individuell kanten und sind aufgrund der Materialgleichheit einfach in die gesamte Dachabdichtung zu integrieren.

Überzeugende Eigenschaften

Auch die produktspezifischen Eigenschaften von Rhepanol® konnten Christoph Fisslake überzeugen. Grundlage der ältesten Kunststoffdachbahn der Welt ist der Rohstoff Polyisobutylen (PIB). Er sorgt für Eigenschaften wie extreme Kälteflexibilität, Hagelschlagfestigkeit, Langlebigkeit, Dämmstoffneutralität und Bitumenverträglichkeit. Merkmale der auch in Wertingen verlegten Rhepanol® fk sind zudem integrierter Dichtrand und perforationsfreie Befestigung im Klettsystem. 

Ein weiterer Aspekt war besonders wichtig: Aufgrund der Transportierfähigkeit des Hauses entsteht auf dem Dach eine definierte Längsfuge. Hier muss die Bahn für den Transport durchtrennt und später nach dem Ab- und Aufbau auch wieder gefügt werden. Diese Fügung soll nach dem Wunsch des „Erfinders“ möglichst problemlos, einfach und schnell möglich sein. „Hier nutzen wir einfach das Rhepanol®-Abdeckband. Es lässt sich vollflächig auf der Abdichtung verkleben und schließt so die aufgeschnittene Fuge zuverlässig und sicher“, erklärt Christoph Fisslake.

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Im Badezimmer wurden die Wände aus OSB-Platten zusätzlich lasiert. Im Duschbereich schützen Acrylplatten das Holz.

Komplettaufbau in der Halle

Wie bei anderen vorgefertigten Häusern auch, wurde das Haus für Frau Mahler in einer entsprechend großen Halle zusammengebaut. Also vor dem Transport auf das derzeitige Grundstück war das Gebäude einmal komplett zusammengefügt und auch aufgebaut. In diesem Zustand verlegten die Handwerker auch die Dachabdichtung auf dem Flachdach. Gemäß der Vorgabe durch einen Anwendungstechniker der FDT wurden zunächst die Klettstreifen auf dem Dach verlegt und anschließen fixiert. Anschließend stellte man den Dachrand mit Hilfe der Rhepanol-Anschlussbleche her. Danach verlegte man bahnenweise die Rhepanol® fk und rollte sie mit der Universalrolle unmittelbar über den Klettstreifen fest. Abschließend wurden die Bahnen untereinander über den integrierten Dichtrand miteinander gefügt. Auch hierbei kam die Universalrolle zum Einsatz, die mit ihrem Gewicht für den notwendigen Anpressdruck für die innige Verbindung von materialgleichen Stoffen sorgt.

In drei Stunden fertig

Nach dem kompletten Aufbau des Hauses in der Halle kamen die Vorbereitungen für den Transport. Über den Hallenkran konnten die beiden Haushälften auf die Sattelzüge gehoben werden. In knapp drei Stunden war das Haus an seinem aktuellen Bestimmungsort dann wieder aufgebaut. Gegründet ist das Haus auf insgesamt 20 Schraubfundamenten, die in vier Reihen zu je fünf Fundamenten ins Erdreich verschraubt wurden. Da die beiden innenliegenden Reihen zusätzlich je einen Doppel-T-Träger aufnehmen mussten, waren diese nur 1,60 m lang. Die Schraubfundamente der beiden äußeren Reihen hingegen 2,10 m. Die Doppel-T-Träger wurden so angeordnet, dass sie jeweils an den Klappkanten des Bodenelementes die auftretenden Lasten gleichmäßig verteilen können. Sowohl das Bodenelement wie auch die Dachklappe wurden, wie sollte es bei einem Möbelschreiber auch anders sein, über Scharniere bewegt. Das Bodenelement wie die Dachklappe verschraubten die Handwerker am jeweiligen Gegenstück mit entsprechenden Schrauben. Selbst die vorgehängten Dachrinnen waren bereits vor dem Transport montiert worden und können über spezielle Spannhalter jederzeit wieder getrennt werden.

PV-Module für die Stromversorgung

Einzig die PV-Module auf dem Flachdach montierten die Handwerker erst direkt vor Ort. Jedoch können diese auch für den nächsten Transport auf dem Dach verbleiben. „Dafür habe ich extra eine Konstruktion entwickelt, die entstehende Spannungen über je vier Bogenfedern an den Giebelseiten des Hauses abbaut“, erklärt Christoph Fisslake. Zwischen 65 und 70 Prozent der benötigten Energie wird über die PV-Module bereitgestellt. Über den üblichen Hausanschluss stehen sowohl Strom wie auch Wasser und Abwasser zur Verfügung. Neben dem Heizungsbetrieb über Strom wird auch Warmwasser elektrisch bereitet.

Individuell gestaltet

Seit gut einem dreiviertel Jahr lebt Barbara Mahler jetzt in ihrem mobilen Holzhaus. Ein erster Winter liegt hinter ihr, an Wärme hat es nicht gemangelt. „Vielleicht ist es eine gute Idee, die beiden Glastürfronten an den Giebelseiten des Hauses noch besser zu verschatten“, sagt sie schmunzelnd. „Ich wollte eine offenen Wohn- und Lebensbereich. Aber es muss mir nicht jeder ins Haus schauen. Außerdem heizt es sich im Sommer so ziemlich schnell.“ Barbara Mahler wollte die meisten Wandflächen ihres Hauses unbehandelt. Nur im Bad und Teilen ihres Ateliers wünschte sie sich eine Lasur. Zusätzlich wurden im Badezimmer die Flächen, die mit Wasser in Berührung kommen, statt mit Fliesen mit Acrylplatten beplankt.

Kontinuierliches Monitoring

Man spürt es gleich, Barbara Mahler fühlt sich wohl in ihrem neuen mobilen Heim. Sicher auch, weil sie weiß, sie kann es fast überall hin mitnehmen. Christoph Fisslake setzt nicht nur auf das individuelle Wohlgefühl der Hausbesitzerin, sondern auch auf Sensoren, die er in der Konstruktion positioniert hat. Mit ihnen misst er die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit direkt zwischen der OSB-Scheibe und der ersten Dämmfolie sowie zwischen den beiden Dämmfolien. „Damit kann ich kontinuierlich nachverfolgen wie sich die Temperaturen im Abstand von nur wenigen Millimetern innerhalb der Konstruktion verändern“, sagt Fisslake. „Die Daten helfen mir auch, weitere Projekte mit dem mobilen Holzhaus zu planen.“ 

Starke Nachfrage

Das Interesse ist groß, vor allem bei Frauen. Vermutlich sind sie begeistert von dem schnellen Bauprozeß. Zweieinhalb Monate bauten Fisslake und seine Männer an dem Haus, innerhalb von drei Stunden war es aufgebaut. Derzeit ist der Möbelschreiner mit weiteren spannenden Projekten beschäftigt. Aber er ist sich ganz sicher, dass weitere Häuser folgen werden. Frau Mahler und das Holzhaus sind für ihn der beste Beweis, das angenehmes und anspruchsvolles Wohnen mit der Option der größtmöglichen Mobilität sinnvoll vereinbar sind.