Zeige Navigation

Anlässlich der offiziellen Einweihung der neuen Produktionslinie am Standort Obermarchtal hat puren die purenit-Produktion nach dem Standard ISCC PLUS zertifiziert (ISCC-PLUS-Cert-DE102-26080187).

Anlässlich der offiziellen Einweihung der neuen Produktionslinie am Standort Obermarchtal hat puren die purenit-Produktion nach dem Standard ISCC PLUS zertifiziert (ISCC-PLUS-Cert-DE102-26080187).

Eine neue Fertigungslinie war der Anlass – die Zukunft des Bauens und der Industrie das eigentliche Thema. Zur offiziellen Einweihung der dritten purenit-Linie im Werk Obermarchtal brachte die puren gmbh Vertreter aus Politik, Industrie und Forschung zusammen. Von der Energieeffizienz von Gebäuden über die Kreislaufwirtschaft für Polyurethan bis zu den Folgen zunehmender Hitzewellen spannte sich dabei ein bemerkenswert weiter Bogen – verbunden durch die Frage, wie sich Ressourceneffizienz, Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg miteinander verbinden lassen. Mit einer Gesamtinvestition von rund 50 Mio. Euro wurde die Produktionskapazität im purenit Werk in Obermarchtal verdreifacht. Zugleich wurden neben den vorhandenen 65 weitere 40 Arbeitsplätze geschaffen, die nun stufenweise besetzt werden sollen.

download

Kreislaufwirtschaft entlang der Wertschöpfungskette

Vor rund 320 Gästen machte puren-Geschäftsführer Dr. Andreas Huther deutlich, welche Rolle die Kreislaufwirtschaft für das Unternehmen, aber auch für die gesamte PU-Branche hat. Die sinnvolle Weiterverarbeitung von Nebenprodukten und Materialresten aus der Produktion sei für puren bereits wenige Jahre nach der Unternehmensgründung durch Hans Bommer ein wichtiges Thema gewesen. Aus diesen Bemühungen seien die Vorläufer der heutigen purenit-Funktionswerkstoffe entstanden. „Kreislaufwirtschaft für PU-Hochleistungsdämmstoffe wie auch für purenit ist keine Vision, sondern kann ganz konkret in der Praxis umgesetzt werden“, betonte Huther, „PU-Dämmstoffe wie auch purenit sind kreislauffähig“. Mit der Entscheidung für die Erweiterung am Standort Obermarchtal und der damit verbundenen Gesamtinvestition von rund 50 Mio. Euro konnte nicht nur die Kapazität verdreifacht, sondern auch erstmals eine bislang weltweit einzigartige, digital gesteuerte und vollautomatisierte Produktion für purenit realisiert werden. Bereits heute wird purenit bis zu 90 Prozent aus Materialresten hergestellt. Doch puren geht mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage noch einen Schritt weiter, um zukünftig die CO₂‑Emissionen weiter deutlich reduzieren und purenit in seiner gesamten Nachhaltigkeit verbessern zu können.

beitragsbild2 tornow

Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Medien beim Festakt in Obermarchtal: (v.l.) Prof. Dr. Andreas Holm, Umweltministerin Thekla Walker, Dr. Andreas Huther, Dr. Thorsten Dreier, MdL Martin Hahn und Karsten Schwanke

Mit der Fertigstellung der neuen Produktionsanlage hat puren parallel die gesamte purenit-Produktion vom TÜV Süd nach dem „ISCC PLUS“-Standard zertifizieren lassen. Der ISCC PLUS-Standard ist ein freiwilliges, international anerkanntes Zertifizierungssystem zur Überprüfung und Rückverfolgung nachhaltiger Rohstoffe in Lieferketten außerhalb des klassischen Biokraftstoffsektors. Er unterstützt die Bioökonomie und die Kreislaufwirtschaft, indem er den Einsatz alternativer Materialien in bestehenden industriellen Produktionsprozessen belegbar und somit in seiner Wirkung nachvollziehbar macht.

Mit der ISCC PLUS-Zertifizierung und dem Einsatz biozirkulärer, in seiner Gesamtheit klimaneutraler MDI‑Bindemittel von Covestro, will puren nun auch den CO₂-Fußabdruck des verbleibenden Bindemittelanteils deutlich reduzieren. „Für unsere Kunden bedeutet dies: der gleiche Werkstoff mit unveränderter technischer Leistungsfähigkeit und die gewohnte Materialqualität – bei einem um bis zu zwei Drittel reduzierten Product Carbon Footprint – in einer Cradle-to-Gate-Betrachtung“, so Huther.

Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, ordnete in ihrer Festansprache die Werkserweiterung in Obermarchtal in den größeren Zusammenhang einer notwendigen industriellen Transformation ein. Dabei seien Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft nicht nur Instrumente des Klimaschutzes, sondern zugleich von wirtschaftlicher Bedeutung für den Industriestandort Baden-Württemberg. „Die puren gmbh beweist eindrucksvoll, dass Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und die Energiewende keine Bremsklötze für die Industrie darstellen, sondern – wie überhaupt die gesamte GreenTech-Branche – echte Jobmotoren und Wachstumstreiber sind“, betonte Walker. Mit einer Sekundärrohstoffquote von rund 90 Prozent trage purenit dazu bei, den Einsatz von Primärrohstoffen zu reduzieren und Stoffkreisläufe zu schließen. Die Investition in Obermarchtal wertete die Ministerin deshalb auch als Beispiel dafür, wie sich ökologische und industriepolitische Ziele miteinander verbinden lassen: „Was puren hier in Obermarchtal und an den anderen Standorten aufgebaut hat, ist weit mehr als ein betriebliches Nachhaltigkeitskonzept“, lobt Walker.

Wie eine solche Transformation entlang der Wertschöpfungskette konkret aussehen kann, zeigte Dr. Thorsten Dreier, Vorstand und CTO der Covestro AG.

beitragsbild2 tornow

Individuelle Einblicke beim Rundgang durch die Produktion.

In einem sehr persönlichen Statement erinnerte er sich als junger Laborant bei der Bayer AG an seinen ersten Kundenbesuch, der ihn zum puren Unternehmensgründer Hans Bommer nach Überlingen führte. Aus dieser für ihn als jungen Chemiker beeindruckenden Begegnung entwickelte sich eine weitreichende Partnerschaft beim Marktaufbau für Polyurethan Hartschaum. Die Unternehmen kooperieren ferner bei der Entwicklung klimaneutraler Produkte ebenso wie beim Aufbau einer konsequenten Kreislaufwirtschaft. Gemeinsam wurde mit der ISCC PLUS Zertifizierung eine wichtige Grundlage geschaffen, sodass puren zukünftig biozirkuläre und klimaneutrale Bindemittel von Covestro in ihrer Produktion einsetzen kann, mit denen der CO₂-Fußabdruck von purenit weiter reduziert werden soll.

Eingebunden in die vor wenigen Tagen ISCC-zertifizierte Produktion von puren entsteht ein Produkt, das an zwei Stellen der Wertschöpfungskette von zirkulärem Denken profitiert: beim Rohstoff und beim Werkstoffkonzept. „Für die Polyurethan-Branche insgesamt zeigt dieses Beispiel, dass sich Kreislaufwirtschaft bereits heute in zertifizierten, marktfähigen Produkten niederschlägt“, erklärte Dr. Dreier.

Die Gebäudehülle als Schlüssel zur Wärmewende

Neben der Kreislauffähigkeit von Materialien bildete die effiziente Nutzung von Energie den zweiten großen Themenkomplex des Festakts. Unter dem Titel „Energieeffizienz – das verlorene Kind“ rückte Prof. Dr. Andreas Holm, Leiter des Forschungsinstituts für Wärmeschutz e.V. München, die Gebäudehülle wieder in den Mittelpunkt der Diskussion zur Wärmewende. Untersuchungsdaten zeigen, dass eine erfolgreiche Wärmewende nicht allein eine Frage der eingesetzten Energieträger und Heiztechnologien ist. Vielmehr machen die Analysen der Zahlen deutlich, dass eine energetisch optimierte Gebäudehülle nicht nur den Wärmebedarf senkt, sondern auch die Effizienz von Wärmepumpen verbessert, die notwendigen Netzkapazitäten reduziert und Gebäude gleichzeitig widerstandsfähiger gegen Energiepreissprünge und Versorgungsausfälle macht. Seine zentrale Botschaft brachte Holm auf eine einfache Formel: „Energieeffizienz ist keine Alternative zur Wärmewende. Sie ist ihre Voraussetzung.“

beitragsbild2 tornow

Dr. Andreas Huther nahm sich persönlich Zeit, um Interessierten bei der Werksführung die neue Produktionslinie zu erläutern.

Klimawandel stellt Industrie vor neue Herausforderungen

„Wetter ist geil – Klima ist eine Matheklausur in der 12. Klasse.“ Mit dieser humorvollen wie treffenden Unterscheidung eröffnete ARD-Meteorologe und Keynote-Speaker Karsten Schwanke seinen Blick auf die Folgen des Klimawandels. Am Beispiel Baden-Württembergs machte er die Dimension der Veränderung deutlich: Einerseits ist die globale Mitteltemperatur in den vergangenen 60 Jahren um 0,8 Grad gestiegen, andererseits sind sommerliche Hitzewellen im Südwesten heute bereits rund fünf Grad wärmer. Nicht zuletzt war der Sommer 2026 in Baden-Württemberg der heißeste seit Beginn der Messungen. Gleichzeitig warnte Schwanke jedoch davor, diese Temperaturniveaus jetzt als das neue Normal misszuverstehen, denn es wird noch wärmer. Die weitere Entwicklung führt zur Verschiebung der europäischen Klimazonen nach Norden: also zunehmend mediterranes Klima in Deutschland, geprägt durch feuchtere Winter und trockenere Sommer. Damit wird die Verfügbarkeit von Wasser zu einer der zentralen Zukunfts- und möglicherweise auch Streitfragen. Für Schwanke hat diese Entwicklung auch eine klare wirtschaftliche Perspektive: „Klimaschutz hat eine starke unternehmerische Komponente: Wer heute die Lösungen für morgen liefert, wird erfolgreich sein.“

Neben intensivem Austausch hatten die Gäste anschließend bei Werksführungen Gelegenheit, die neue Produktionslinie sowie das gesamte Kreislaufkonzept selbst in Augenschein zu nehmen. Eine umfangreiche Ausstellung mit Exponaten zahlreicher puren-Kunden zeigte zudem u. a. die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von purenit. So schloss sich auch beim Festakt am Ende der Kreis: mit dem Blick auf eine neue Fertigungslinie, die beispielhaft zeigt, wie sich Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Kundennutzen entlang der gesamten industriellen Wertschöpfung miteinander verbinden lassen.